„FREIHEIT über alle Grenzen…!“

Liebe Leserin, lieber Leser,
einen wunderschönen, Hoffnungs-vollen „Guten Morgen“! Nun erst recht! Na, ist doch wahr!

Und dann noch eine XXL-Portion „FREIHEIT über alle Grenzen…!“

Oh, Manno! Dass die Begrüßung diesmal anders lautet als sonst, hab auch ich eben erst gemerkt! Da sieht man es mal wieder.

Beide Worte fangen mit „F“ an – und in diesen Tagen ist auch das persönliche „Oberstübchen“ ganz schön gefordert.

 

Nun aber zum Thema: „FREIHEIT! über alle Grenzen…!“

Genau diese Überschrift sollte ich für den heutigen Tag wählen.

Zum einen, weil wir Berliner diesen Tag nie im Leben vergessen werden, - und zum anderen, weil er der Anfang von etwas sehr Gutem, Hoffnungsvollen war!“

Genau so sollte ich es Ihnen eben schreiben.  Nach dem Motto: „Ente gut, alles gut!“

(Wie Sie sehen, sind auch meine kleinen geflügelten Humorberater wieder mit an Bord. Anders wäre es auch wirklich nicht mehr zum Aushalten!


Gestern Abend wurde ich von einem lieben Mitbewohner darauf aufmerksam gemacht, dass unser aller HELD und HOFFNUNGS-Träger von damals, John F. Kennedy (senior), - zu der Zeit noch Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika -, im Fernsehen zu sehen war.

Bei seinem BERLIN Besuch 1963! So, wie auch ich ihn damals als Kind im Fernsehen gesehen hatte: Auf dem Balkon des Schöneberger Rathauses, bei seiner berühmten Ansprache!

Das Gedränge der Menschenmengen, die damals vor dem Rathaus standen, um ihn live zu sehen, wäre mir einfach zu viel gewesen.

 

Ach, mensch! Ja, ich erinnerte mich genau! Aber, warum brachten sie ausgerechnet an diesem Abend diese Bilder? Natürlich dachte ich daran, was wir alle uns für die USA wünschen!

Wenige Minuten nach diesem alten Filmausschnitt wurde ein unterirdischer Fluchttunnel gezeigt.

 

Da war es dann klar! Heute ist DER Tag, den wir als Berliner für immer im Gedächtnis behalten werden: Der Tag, an dem begonnen wurde, die Mauer zu bauen!

Eine Mauer, die uns, die wir im "Westen" wohnten, von den Menschen in Ostberlin, und auch von der „Zone“, wie sie damals genannt wurde, rund um Berlin abtrennen und einschließen würde.

Vor genau sechzig Jahren!

 

Ich selber war zu dem Zeitpunkt gerade mal neun Jahre alt. So ganz verstehen konnte ich es nicht, warum meine Mutter und meine Großeltern so alarmiert waren und sofort begannen, einen großen Vorrat an haltbaren Lebensmitteln anzulegen.

All diese Lebensmittel wurden in einen großen Schrank gepackt, der in der ehemaligen "Mädchenkammer" stand, die sich direkt neben der Küche befand.

Auch die alte Offizierskiste dort, die im Ersten Weltkrieg dem Bruder meiner Großmutter gehört hatte, wurde mit Vorräten gefüllt.

 

Schon einmal hatte die Umsicht meiner Mutter allen Bewohnern des fünfstöckigen Wohnhauses das Leben gerettet. Damals, als sie in unserem Teil des Kellers einen alten Herd instand setzen ließ und dafür sorgte, dass er an den Schornstein angeschlossen wurde!

Das war kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges gewesen. Natürlich hatten die anderen Mieter ihr einen "Vogel" gezeigt und sie für verrückt erklärt. Sie aber war ihrer inneren Stimme gefolgt und hatte sich nicht beirren lassen.

Bald danach bedeutete dieser kleine alte Kochherd, der mit Briketts beheizt wurde, die einzige Gelegenheit für all diese Menschen, sich eine warme Mahlzeit zuzubereiten -. und auch die einzige Wärmequelle für diejenigen, die dort vor den Bomben Schutz suchten.


Jahre später hat meine Familie die Blockade miterlebt, mit der Westberlin von allen Transport Möglichkeiten abgeschlossen werden sollte. Die berühmten „Rosinen-Bomber“ haben den Plan damals vereitelt.  Und nun, 1961 schon wieder?

 

Als Kind hatte ich eine andere Sicht der Dinge. Mich betrübte es viel mehr, dass meine Lieblingstante aus Stuttgart nun nicht zur Goldenen Hochzeit meiner Großeltern kommen würde, die am 30. August gefeiert werden sollte!

Der zugehörige Onkel erlaubte es nicht. Er befürchtete damals nicht zu Unrecht, dass seine Frau zwar nach Westberlin hereingelassen würde, aber nicht wieder zurückfliegen dürfte.

Lang, lang ist´s her!

 

Alles andere können Sie in der Zeitung nachlesen.  Von all den Toten, die bei Fluchtversuchen erschossen wurden oder auf andere Weise dabei ums Leben kamen.

Manche dieser Bilder werde auch ich niemals vergessen!


Und dann das WUNDER:

Die Mauer fiel, die Grenzen öffneten sich, die Menschen in der DDR waren frei. Soweit möglich!

Endlich lernte auch ich all die schönen Städte und Landschaften kennen, von denen meine Oma so oft erzählt hatte und die für mich bisher unerreichbar gewesen waren:

Dresden, Weimar, die Wartburg, die herrliche Wälder Thüringens – und den Darss, der inzwischen zu meinem zweiten Zuhause geworden ist!

 

Genau daran soll ich Sie heute erinnern: An das WUNDER, das damals geschah!

 Ja, der Übergang in die FREIHEIT war damals nicht leicht!

 

Zu dem Zeitpunkt wohnte ich mit meiner eigenen Familie bereits in Meckenheim.

Ganz in unserer Nähe war die Verteilerstelle, wo die ersten Flüchtlinge aus der "DDR" aufgenommen wurden und Zuflucht fanden.

Nun standen sie ohne jedes Hab und Gut da und waren auf Spenden angewiesen, die bereits in der ersten Nacht kurz nach Bekanntwerden ihrer Ankunft dort eintrafen.

Mein Sohn und meine Tochter erinnern sich noch genau, wie wir abends dorthin fuhren, um Kleidung und Spielsachen für die vielen Kinder abzugeben, die mit ihren Eltern mitgekommen waren.


Und ich erinnere mich an die ersten Schüler aus der "DDR", die meiner Klasse zugeteilt wurden: Robert und Pierre! (Letzterer so ausgesprochen, wie man den Namen schreibt!)

Sie wurden meine treuesten „Fans“, - nachdem sie erst einmal gelernt hatten, dass „petzen“ nicht nötig war.

Noch viele Jahre später besuchten sie mich, wenn sie an ihrer Schule früher frei bekamen, in meiner Ersten Klasse und waren stolz, mithelfen zu dürfen! Was für Zeiten!


Warum ich Ihnen all das erzähle?

Nun, um zum einen den MUT der Berliner zu ehren, die damals auf unsicherem Posten ausharrten –

Viel mehr aber noch, um uns allen zu versichern, dass solch ein SEGEN und solche GNADE auch jetzt wieder für uns vorgesehen sind! Davon bin ich fest überzeugt!

Und nicht nur für unsere eigenes, gequältes und misshandeltes Land, sondern auch für all die anderen Länder und Menschen, überall auf der Welt!

Weil das LICHT immer stärker ist als die Dunkelheit!

 

Damals war es die „friedliche Revolution“ unserer Brüder und Schwestern, die den ganzen Mechanismus an Gewalt und Terror und Spitzeleien zu Fall brachte.

Mit dem, was damals möglich wurde, hat unser Land ein Zeichen gesetzt!

Für die Welt, aber ganz besonders für uns selbst!

 

Später, wenn alles vorbei ist, und wir alle wirklich die „FREIHEIT über alle Grenzen…!“ feiern können, werden wir verstehen,

dass DEUTSCHLAND eine sehr besondere, gesegnete und begnadete Rolle im FREIHEITS-KAMPF zugefallen ist.

 

Jetzt ist es noch zu früh, um dies zu erkennen – aber die Samen sind gesät!

In nicht allzu langer Zeit werden wir die FRÜCHTE unseres GLAUBENS, unseres VERTRAUENS und unseres DURCHHALTE-VERMÖGENS sehen!

Davon bin ich überzeugt!

 

„La fortune sourit aux audacieux!“ - Das Glück ist mit den Tapferen! So sei es!

Möge die MACHT mit uns sein!

Mit herzlichen Grüßen,
Christine Stark

13. August 2021


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