Aischa - 10.September 1998 Drucken

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie versprochen möchte ich Ihnen in den  Tagen um Totensonntag  die Möglichkeit geben, sich mit Ihrer eigenen Trauer auseinander zu setzen.

Hierzu biete ich Ihnen in einer Fortsetzungsgeschichte Erfahrungen an, die ich selbst vor einigen Jahren gemacht habe. 

Auch wenn diese Erlebnisse für mich  zunächst mit großer Trauer verbunden waren, durfte ich in diesem Zusammenhang doch wundervolle Erfahrungen machen, die ich mir nie hätte träumen lassen!

 

Ich lade Sie herzlich ein, mich auf eine Reise in die Erinnerung zu begleiten!


Mit herzlichen Grüßen
Christine Stark

16.November 2011

 

 

Aischa -1.Teil :  "Wie alles begann..."

Es war am 10.September 1998, gegen 10 Uhr 30, als ich die Treppe herunter kam. Im Wohnzimmer konnte ich Aischa, meine schöne, blonde Hovawart – Hündin auf dem Teppich liegen sehen.

 

Sie lag auf der Seite, die großen honigfarbenen Augen aufmerksam auf mich gerichtet, wie so oft. Ein eisiger Schreck durchfuhr mich und ich begann zu weinen, ohne zu wissen warum.  Irgendetwas stimmte nicht. Etwas war anders. Und meine Intuition war  wieder einmal schneller, als mein Verstand.

 

Ich kniete mich neben sie, legte die Arme um dieses große, majestätische Tier und spürte die Wärme ihres kraftvollen Körpers.

Normaler Weise hätte ihr buschiger Schwanz jetzt den Boden geklopft wie ein Uhrwerk, - aber sie reagierte nicht.
Sie fühlte sich an wie immer, - aber sie atmete nicht. Hatte sie sich verschluckt? Etwas in die Luftröhre bekommen?



Ich war nur zehn Minuten aus dem Zimmer gewesen. Zehn Minuten!   Ich rief den Tierarzt an. „Sofort in die Praxis kommen!“, hieß es. Aber wie?
Dieser große, fast 40 Kilo schwere Hund war sonst immer von alleine auf den Rücksitz gesprungen.  Wie sollte ich ihn jetzt ins Auto bekommen?


Wie unter Schock lief ich von einem Haus zum anderen, aber niemand war zuhause. Ein fremder Mann, der zufällig  vorbei kam, half mir dann, den leblosen Körper auf einer Decke in den Kofferraum zu heben.  Eine andere Möglichkeit gab es nicht.



Jede rote Ampel während der Fahrt -, jedes Anhalten war qualvoll. Denn es ging um Minuten.  Autofahren und Beten. „Lieber Gott, lass sie nicht sterben…!“
Voller Mitgefühl blickte mich der Tierarzt an, als ich die Praxis erreichte.   Was ich nicht hatte wahrhaben wollen, hatte er schon am Telefon geahnt:
Aischas Seele hatte genau die zehn Minuten gewählt, um zu gehen, in denen ich nicht im Zimmer gewesen war!



„Tut mir so leid für Sie! Aber da kann man nichts mehr tun. Wahrscheinlich ein Hirnschlag. Sehr selten.  Kommt praktisch nie vor.- Sie können hier bleiben und von Ihrem Hund in Ruhe Abschied nehmen!“  

 

Da saß ich nun im Untergeschoss der Praxis, - aber das, was hier vor meinen Füßen auf der Decke lag,  war schon nicht mehr meine Aischa: Der Körper fest und kalt, das schöne seidenweiche Fell plötzlich hart und struppig…  Das, was ich so sehr an ihr geliebt hatte, - die wachsamen, klugen Augen, - das sofortige Reagieren auf die kleinste Bewegung von mir,  - dieses unmerkliche Zusammenspiel von Frauchen und Hund, - das Band der Liebe zwischen mir und ihr…



Was hier lag, war nicht mehr die Aischa, die ich gekannt und geliebt hatte.   Die Seele meiner geliebten Hündin war nicht mehr in diesem Körper.
Ich konnte gehen.



Wie ich nach Hause kam, - wie ich diesen Tag überstand, - wie ich es schaffte,  den Kindern die Nachricht zu überbringen und meinem Mann…
Ich weiß es nicht.

 

 

Fortsetzung folgt!

(Für alle diejenigen, die die nächste Folge nicht abwarten können:
 Die vollständige Geschichte finden Sie in meinem Trauerforum!)